06.08.2026
Die Wiener Stadthalle als Verwandlungskünstlerin
Österreichs größte Eventlocation ist ein Multitalent. Schon die Grundsteinlegung sorgte für Trubel in Wien.
Weiterlesen
Bau und Idee: Zwischen Aufbruch und Applaus
Im Nachkriegs-Wien entstand in den 1950er-Jahren die Vision für einen neuen Treffpunkt: Ein Ort der Unterhaltung, der gleichzeitig für Wiederaufbau und eine politische Neuausrichtung stehen sollte. Der Auftrag ging an den Stadtarchitekten Roland Rainer. Sein Anspruch: Architektur und Einrichtung sollten eine harmonische Einheit bilden. Der Plan gelang, der prestigeträchtige Bau läutete eine neue Ära der Wiener Architektur ein.
Schon die Grundsteinlegung sorgte für Aufregung, die über die Landesgrenzen schwappte. Tausende Neugierige strömten zur Zeremonie und scharten sich um eine 2,5 Tonnen schwere Granitplatte. In dessen Nische wurden symbolträchtige Objekte versenkt: Zeitungen, Telefonbücher, das Wiener Wappen und Namen von Ehrenbürger:innen sollten hier für immer aufbewahrt werden - ein Stück Stadtgeschichte für die Ewigkeit.
Der Bau selbst war ein Mammutprojekt: 2.900 Pläne, 110.000 m³ Erde, 11.500 Tonnen Zement und 440.000 Ziegel kamen zum Einsatz, um das Wiener Wahrzeichen zu erschaffen. Das markante Dach ziert heute das Stadthallen-Logo. Dem Architekten war es wichtig, zeitgenössische Künstler:innen miteinzubeziehen. Im Zuge des Baus sind deshalb einige Installationen und Skulpturen, wie etwa von Fritz Wotruba, entstanden. Im Herzstück der Wiener Stadthalle - der Halle D - finden regelmäßig bis zu 16.000 Menschen zusammen. Heute beherbergt der Komplex neben den Veranstaltungshallen auch eine Eishalle und ein Schwimmbad.
Wiens Bühne mit 1000 Gesichtern
„In Wien ist ein UFO gelandet“, berichtete die Presse 1958 anlässlich der Eröffnung - und wieder war die Aufregung in der Stadt groß. Die Stadthalle war eine der ersten Mehrzweckhallen Europas und von Beginn an ein Ort der Begegnung. Am Eröffnungstag sorgten Stars aus Sport, Musik und Tanz für Unterhaltung. Athlet:innen aus dem Fecht-, Box-, Stemm- und Kampfsport präsentierten ihre Künste. Sogar das berühmte Basketballteam der Harlem Globetrotters waren aus Chicago angereist. Die Wiener Symphoniker bildeten mit den Wiener Philharmonikern zum einzigen Mal in der Geschichte ein Orchester. Kinderchöre, Reden und Einlagen des Wiener Staatsopernballets rundeten das Programm ab.
Auch in den darauffolgenden Jahrzehnten blieb die Stadthalle eine Meisterin der Metamorphose: Jazzlegende Louis Armstrong, Ikone Paul Anka und Boxkämpfe gingen hier über die Bühne. Das Programm war und ist so bunt wie sein Publikum: Die Stadthalle wurde zum Austragungsort für einen Friseur-Wettbewerb, Notquartier für politische Flüchte, Bühne für Kabarettgipfel und ein Oktoberfest nach bayrischem Vorbild.
Abendausklang im Grätzel
Apropos Bier: Nach einem Besuch in der Stadthalle lohnt sich ein Spaziergang durch die Umgebung. Der einstige Arbeiterbezirk hat sich längst zu einem trendigen Grätzel entwickelt. Gemütliche Bars und Kaffeehäuser wie das traditionsreiche Café Weidinger laden zum Verweilen ein. Wer den Abend verlängern möchte, spaziert über den Gürtel in die Burggasse. Hier reihen sich Lokale, Boutiquen und Restaurants aneinander - der perfekte Ort, um den Abend entspannt ausklingen zu lassen.
Autorin: Beatrix Kouba

