06.08.2026
Wiener Charme im ältesten Kino des Landes: Die Breitenseer Lichtspiele
Wer in die Welt des Wiener Kinos eintauchen möchte, ist hier richtig aufgehoben:
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Vom Stummfilm bis zu Live Visuals
„Hast du neue Batterien eingebaut? Du bist heute so schnell“, scherzt Dieter mit einem Kinogast im Rollstuhl. Im Foyer drängen sich Besucher:innen. Gleich startet der neue Film einer österreichischen Regisseurin im einzigen Saal des Hauses. Die Breitenseer Lichtspiele bieten ein Arthouse-Programm mit Schwerpunkt auf österreichischen und europäischen Film. Viele Werke laufen im Original mit Untertitel. Auf die regelmäßigen Stummfilm-Vertonungen sind die Besitzer:innen besonders stolz. Alle zwei Monate begeistert der Stummfilm-Erzähler Ralph Turnheim die Besucher:innen mit Leinwand-Lyrik und Pianobegleitung. Neben einem Kinderprogramm, Lesungen und Events stellt die Programmreihe Focus On Filmschaffende mit Wien-Bezug ins Rampenlicht - eine Hommage an die Kreativszene der Stadt. Die Programmvielfalt ziehe Menschen aus ganz Wien an, erzählt Mattershofer.
Kino wie vor 100 Jahren
Stammgäste aus dem Grätzel würden sich vor allem über die neue Bestuhlung freuen, so der Betreiber. Die historischen Kinosessel aus 1927 wurden diesen Sommer getauscht. Zwei Reihen für Nostalgiker:innen blieben erhalten und auf ein Podest verfrachtet. Bei den Gesamtrenovierungen setzte man darauf, den historischen Charme des Lichtspielhauses zu bewahren. An der Fassade leuchtet die reaktivierte Neonschriftzug „Lichtspiele“, Fliesen aus den 1950er Jahren wurden kürzlich freigelegt. Im Inneren raten historische Schilder vom Rauchen ab. Das ehemalige Kassahäuschen beherbergt heute eine kleine Vinylsammlung.
Nach Filmgesprächen klingt der Abend oft am Kinobuffet oder im lauschigen Schanigarten aus. Dieters Empfehlung: handgemachtes Wiener Käsefeingebäck mit einem Glaserl Rotwein.
Wie schafft es ein Kino, mehr als ein Jahrhundert zu überdauern? Für Christina und Dieter liegt das Geheimnis im Persönlichen. „In welchem Kino kannst du beim Buffet stehen und mit den Betreiber:innen plaudern?“, fragt Dieter. Mit ihnen lässt es sich übrigens wunderbar am Kinobuffet - auf Wienerisch - versumpern.
Von Kino zu Kino
Die Breitenseer Lichtspiele sind eines der wenigen Lichtspieltheater, die das große Kinosterben der 1960er Jahre in Österreich überlebten. Heute finden sich in Wien nur noch 27 Stück. Diese werden allerdings mit großer Liebe und Wiener Charme geführt.
Eines der prestigeträchtigsten Stätten ist das Gartenbaukino an der Wiener Ringstraße. Das Haus ist eng mit dem größten österreichischen Filmfestival, der Viennale, verbunden. In den 1960er Jahren erbaut, bietet es ein anspruchsvolles Programm mit Filmreihen, Retrospektiven und Sonderveranstaltungen. Durch seine Pforten gingen bereits prominente Gäste wie David Lynch, Tilda Swinton, Martin Scorsese, Jane Fonda und Kirk Douglas.
Nur zehn Gehminuten vom Gartenbaukino entfernt, in verwinkelten Gassen, liegt das Metro Kinokulturhaus. Roter Samt und dunkle Holzvertäfelungen empfangen die Kinogäste. Der ehemalige Theatersaal steht unter Denkmalschutz, und noch heute zieren Logen auf beiden Seiten die Sitzreihen. Das Filmarchiv Austria übernahm die Kulturstätte und betreibt es als Zentrum zur Aufarbeitung österreichischer Filmkultur. Wer nach dem Film noch verweilen möchte, kann im hauseigenen Buchladen schmökern oder im charmanten Foyer einen Kaffee genießen.
Ein Spaziergang durch die Wiener Innenstadt und die Opernstraße entlang führt zu einem Ort, der nicht nur Kino sondern auch Szenetreffpunkt ist: das Schikaneder. Gäste kommen hier nicht nur wegen der Filme, sondern auch wegen der hippen Bar und den ausgefallenen Events.
Gleich nachdem die Operngasse in die Margaretenstraße übergeht, liegt ein weiteres Juwel der Wiener Kinoszene: das Filmcasino. Eine Umgestaltung in den 1950er Jahren verleiht dem Lichtspielhaus seinen heutigen Charme. Das Filmcasino überzeugt nicht nur durch sein Interieur, sondern auch durch sein Programm. Mit innovativen und einzigartigen Filmreihen setzt es sich für mehr Inklusion ein und feiert das Kino als Ort der Begegnung.
Autorin: Beatrix Kouba

