06.08.2026

Bars und Beats: Die Wiener Stadtbahnbögen

Die Ausgehmeile der Stadtbahnbögen hat eine turbulente Karriere hingelegt: Vom notwendigen Verkehrsnetz über ein Rotlichtviertel bis zur Kult(ur)szene im Heute.

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Zwei Personen, die die Rolltreppe an einer U-Bahn-Station in Wien benutzen.
Zwei Personen, die die Rolltreppe an einer U-Bahn-Station in Wien benutzen.
Zwei Personen, die die Rolltreppe an einer U-Bahn-Station in Wien benutzen.
Zwei Personen, die die Rolltreppe an einer U-Bahn-Station in Wien benutzen.

Oben gleitet die U-Bahn, darunter gleiten Drinks über die Tresen der Nachtlokale. Unter den historischen Hochbahntrassen, die durch Teile Wiens verlaufen, befindet sich eine beliebte Ausgehmeile: Die Wiener Stadtbahnbögen. Was einst als großes Infrastruktuprojekt begann, hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Manche dieser Lokale, die unter den markanten U-Bahnbögen liegen, haben längst Kultstatus erreicht. Vor allem Liebhaber der Live-Musik kommen hier auf ihre Kosten.

Auf den hochgelegten U-Bahntrassen pendeln täglich zahlreiche Wiener:innen zwischen dem Norden und Süden der Stadt. Die historische Anlage der ehemaligen Dampfbahn prägt das Stadtbild seit über 125 Jahren. Die Viadukte trennen die Innen- von den Außenbezirken Wiens und liegen zwischen den vierspurigen Fahrbahnen. Die Wiener:innen nennen sie „Gürtel“, die Viadukte erhielten so ihren Spitznamen „Gürtelbögen“.


Ein Meilenstein der Stadtentwicklung

Wer in Wien unterwegs ist, wird um sie schwer herumkommen: Die charakteristischen Stadtbahnbögen und markanten U-Bahnstationen prägen das Stadtbild. Ende des 19. Jahrhunderts erlebte Wien einen Wachstumsschub. Um der steigenden Bevölkerung gerecht zu werden, musste ein besseres Verkehrsnetz her. Während Metropolen wie London, Berlin oder Budapest bereits U-Bahnen erhielten, blieb Wien - wie so oft - beim Altbewährten. Aus Kostengründen entschied man sich für eine oberirdisch verlaufende Dampfbahn. Um die Jahrhundertwende entstanden in wenigen Jahren auf fast vierzig Kilometer Bahntrassen, Brücken, Tunnel und die heute viel bestaunten Stationsgebäude. Rauch, Lärm und Baustellenlöcher sorgten aber auch für das Aufflammen des berüchtigten Wiener Grants. Ein Vierteljahrhundert später wurde die Bahn dann doch elektrifiziert. 

Verschwommenes Foto von Lichtern in einem Flur
Verschwommenes Foto von Lichtern in einem Flur
Verschwommenes Foto von Lichtern in einem Flur
Verschwommenes Foto von Lichtern in einem Flur
Verschwommenes Foto von Lichtern in einem Flur

Vom Rotlicht zum Szeneviertel

Schon früh stand der Plan, den Raum unter den Gleisen zu nutzen: Cafés, Bars und kleine Läden eröffneten in den Bögen. Heute sind sie ein ideales Ausflugsziel für Nachtschwärmer:innen, doch das war nicht immer so. Entlang des Westgürtels entwickelte sich damals eine wilde Rotlichtmeile, die sich über Jahrzehnte hielt. Wiener Strizzis, Kleinkriminelle und illegale Bordelle dominierten den Straßenabschnitt und die Schlagzeilen. Seit den 1990er Jahren ist es ruhiger geworden. Neue Lokale und Geschäfte verdrängten das Rotlichtviertel. Otto Wagners Erbe besteht jetzt aus gemütlichen Bars, Fahrradgeschäften, Werkstätten, Kunstdepots, Fast-Food-Filialen und Musikstätten. Sie wurden mit Glasfassaden aufgeputzt, die Wege teils renaturiert. 


Wiens längste Musikmeile 

Einige lokale Urgesteine haben den Wandel der Zeit überlebt und sind heute beliebter denn je. Wer aufstrebende Musiker:innen entdecken möchte, ist an der richtigen Stelle. Bars wie das Café Carina, Chelsea, Rhiz oder B72 sind dafür bekannt, (noch) unbekannten Musiker:innen eine Bühne zu bieten. Die Liebe zur Musik gipfelt jeden August im Zuge des Gürtel Nightwalks an den Stadtbahnbögen. Dann verwandelt sich das Grätzel zur längsten Musikmeile der Stadt. Auf Open-Air-Bühnen und in Indoor-Locations können Besucher:innen kostenlos Live-Acts von Indie, Rock, Rap bis zu experimenteller Musik lauschen. Seit dem Ende der Jahrtausendwende gehört der Gürtel Nightwalk damit zum fixen Bestandteil der heimischen Kulturszene. Ein Besuch bei den Stadtbahnbögen lohnt sich aber auch an jedem anderen Tag. Der Ort beweist:

Wien kann nicht nur Walzer, sondern auch wild.